WR222 – Vom Kriegstraum zur Handelsader: Wie ein Kanal seinen Zweck verlor und einen besseren fand – NOK Teil 2
Kaum ist der Kaiser-Wilhelm-Kanal 1895 gefeiert, macht ihn ein einziges britisches Schiff wieder wertlos: die HMS Dreadnought. Die neuen Großkampfschiffe passen nicht mehr durch – und so wird das gerade fertige Bauwerk schon nach neunzehn Jahren wieder aufgerissen und bei laufendem Betrieb vergrößert. Eine Operation am offenen Herzen.
In Teil zwei unserer Reihe vor der Sommerpause begleiten wir den Kanal durch die dramatischsten Jahrzehnte seiner Geschichte: die feierliche Wiedereröffnung durch den Kaiser 1914, nur Tage vor dem Schuss von Sarajevo. Den Kieler Matrosenaufstand, der eine Revolution und das Ende der Monarchie auslöst. Einen Frachter namens Wimbledon, der zum allerersten großen Fall eines Weltgerichts wird. Und schließlich einen Diktator, der die mühsam erstrittenen Verträge einfach zerreißt.
Zwei Weltkriege, ein zerbrochenes Reich, eine versenkte Flotte – und mittendrin ein Kanal, der einfach alles und jeden überlebt. Wie aus einem militärischen Traum die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt wurde – und warum sein größter Niedergang in Wahrheit eine Befreiung war.
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