Worum es in dieser Folge geht
Wir beginnen mit drei Romanen von Stanisław Lem, Ian Watson und Vladimir Sorokin, die alle auf demselben Ereignis aufbauen: einer gewaltigen Explosion über Sibirien. Wir landen am 30. Juni 1908 in Wanawara, 65 Kilometer vom Zentrum entfernt. Um 7:15 Uhr sehen Augenzeugen einen hellen Körper am Himmel, dann drückt die Druckwelle Fenster und Türen ein. Noch in über 500 Kilometern Entfernung bemerken Reisende der Transsibirischen Eisenbahn Feuerschein und Erschütterung, in Potsdam wird die Druckwelle Stunden später aufgezeichnet.
Weil die Gegend kaum besiedelt und schwer erreichbar ist, kommt erst der Mineraloge Leonid Kulik ab 1921 auf die Suche. Er findet Millionen umgeknickter Bäume, aus deren Fallrichtung er das Zentrum bestimmt, aber keinen Krater. Daraus schließt man, dass die Explosion in fünf bis 14 Kilometern Höhe stattfand. Konservative Schätzungen gehen von zwei bis vier Megatonnen TNT aus. Wir gehen die Theorien durch, auch die Idee, der Tscheko-See sei ein Einschlagkrater, die 2017 widerlegt wurde. Am wahrscheinlichsten ist ein Steinasteroid oder Komet, der in der Luft explodierte. Sicher weiß man es bis heute nicht.
Kurz gefragt
Was war das Tunguska-Ereignis?
Eine gewaltige Explosion am 30. Juni 1908 über Sibirien, die Millionen Bäume umknickte. Sie gilt als größte Explosion vor der Erfindung der Atombombe.
Warum gibt es keinen Krater?
Der Körper explodierte vermutlich in fünf bis 14 Kilometern Höhe, bevor er den Boden erreichte.
Was hat die Explosion ausgelöst?
Als wahrscheinlichste Erklärung gilt ein Steinasteroid oder Komet mit 30 bis 80 Metern Durchmesser. Endgültig geklärt ist es nicht.