Worum es in dieser Folge geht
Den Haag, 25. August 1945: Der niederländische Außenminister Eelco van Kleffens ruft die Staatskommission zur Klärung der Annexionsfrage ins Leben. Mit dabei ist Frits Bakker Schut, zugleich Sekretär des Niederländischen Komitees für Gebietserweiterungen. Wir schauen uns an, was der nach ihm benannte Plan vorsah. In der größten Variante wären Aachen, Köln, Münster, Osnabrück und Oldenburg niederländisch geworden, und für die Ortsnamen gab es schon eine Übersetzungstabelle: Aus Köln wäre Keulen geworden. Offiziell machten die Niederlande später 1840 Quadratkilometer geltend. Durchgesetzt wurden am Ende nur kleinere Annexionen im Selfkant, um Elten und in der Grafschaft Bentheim.
Elten gehörte ab dem 23. April 1949 zu den Niederlanden. Statt Vergeltung erlebte der Ort einen wirtschaftlichen Aufschwung, von dem Zeitzeugen bis heute erzählen. Vor der Rückgabe an Deutschland am 1. August 1963 kam dann die Eltener Butternacht. Die Eltener füllten Keller, Scheunen und leere Kinos mit Waren, und Eugen Heimen ließ sich als Strohmann für eine Gruppe von Importeuren tonnenweise Ware an seine Adresse liefern. Kurz vor Mitternacht standen rund 500 deutsche Zollbeamte im Ort und winkten die Laster schließlich einfach durch.
Kurz gefragt
Was war der Bakker-Schut-Plan?
Der Bericht der Staatskommission, der Ende 1945 dem niederländischen Innenministerium vorgelegt wurde. Er bot drei Varianten an, Plan A bis Plan C, mit immer kleineren Gebieten.
Welche deutschen Gebiete kamen tatsächlich zu den Niederlanden?
Kleinere Gebiete im Selfkant, um Elten und in der Grafschaft Bentheim. Von den großen Plänen blieb nichts übrig.
Warum hatte die Butternacht keine Folgen?
Das Bundeskabinett hatte am 31. Juli 1963 beschlossen, die Sache großzügig zu handhaben, und Konrad Adenauer hatte das gebilligt. So blieb die größte Schmuggelaktion der Bundesrepublik ohne juristische Folgen.