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WR217 – Freistaat Flaschenhals: Ein Staat aus Versehen

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Eine Nacht im August 1921 am Rhein. Ein Motorboot legt heimlich an, Säcke voller Mehl, Getreide und Salz werden gelöscht. Ein katholischer Pastor segnet die Schmuggelware, 25 Pferdefuhrwerke verteilen sie in elf Dörfer.

Willkommen im Freistaat Flaschenhals — einem Stück Deutschland, das nach dem Ersten Weltkrieg zwischen zwei alliierten Besatzungszonen einfach abgeschnitten wird. 8.000 Menschen, eine Lücke in der Landkarte, ein Bürgermeister aus Bad Kreuznach, der per Telegramm einen Staat ausruft.

Vier Jahre lang funktioniert das Unmögliche: improvisierte Holzknüppelstraßen, eigenes Notgeld mit Spottsprüchen auf die Franzosen, ein „Schattenkabinett“, die Umleitung eines ganzen Reparations-Eisenbahnzugs. Bis die Spahis einmarschieren und der Spuk endet.

Edmund Pnischeck verewigt die skurrile Geschichte in einer Broschüre — und prägt damit einen Mythos, der bis heute hartnäckig falsch erzählt wird. Was hinter dem touristischen Glanz wirklich steckt, erfahrt ihr in dieser Folge.

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Worum es in dieser Folge geht

Eine Nacht im August 1921 am Rhein bei Lorch: Im toten Winkel der französischen Suchscheinwerfer legt ein Motorboot an, Säcke mit Mehl, Getreide und Salz werden entladen, ein Pastor segnet die Schmuggelware, und Pferdefuhrwerke bringen sie in elf Dörfer. Willkommen im Freistaat Flaschenhals. Wie es dazu kam, beginnt im November 1918 in einem Eisenbahnwaggon in Compiègne.

Nach dem Waffenstillstand besetzen die Alliierten das linke Rheinufer und richten auf der rechten Seite Brückenköpfe ein, Halbkreise mit 30 Kilometern Radius um Köln, Koblenz, Mainz und Kehl. Zwischen den Kreisen um Koblenz und Mainz bleibt ein schmaler Streifen unbesetzt, abgeschnitten vom Rest des Reiches. Wir erzählen, wie Lorch, Kaub und die Nachbardörfer improvisierten, welche Rolle Bürgermeister Edmund Pnischeck spielte, warum das Notgeld so viel Humor hatte und wie der Spuk 1923 endete. Zum Schluss geht es um die touristische Initiative von heute und um die Frage, was am Mythos dran ist.

Kurz gefragt

Wie entstand der Freistaat Flaschenhals?
Durch die Brückenköpfe der Alliierten nach dem Ersten Weltkrieg. Zwischen den 30-Kilometer-Halbkreisen um Koblenz und Mainz blieb ein unbesetztes Gebiet übrig, das kaum Verbindung zum übrigen Deutschland hatte.

War der Freistaat ein echter Staat?
Nein. Es war eine improvisierte Selbstverwaltung in einer Lücke der Besatzungszonen. Der Mythos vom Freistaat wurde vor allem durch Bürgermeister Pnischeck geprägt.

Was ist das Besondere am Notgeld des Flaschenhalses?
Die Scheine von Lorch trugen Sprüche und Motive voller Trotz und Weinliebe, etwa „Hätt‘ Adam Lorcher Wein besessen, hätt‘ er den Apfel nicht gegessen“.